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Peniskarzinom

Letzte Aktualisierung: 7.5.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Das Peniskarzinom ist meist ein Plattenepithelkarzinom, das vom Epithel der Glans penis, des Sulcus coronarius oder des inneren Präputialblattes ausgeht. Die Inzidenz in Deutschland ist gering. Zu den Risikofaktoren gehören u.a. Phimose, mangelnde Genitalhygiene, chronische Entzündungen und Infektionen mit humanen Papillomaviren. Klinisch imponiert es initial oft als flächige Rötung, später als exophytischer Tumor oder Ulzeration. Die Diagnostik stützt sich auf die körperliche Untersuchung, Bildgebung und histologische Sicherung durch Biopsie. Die Therapie richtet sich nach dem Stadium und umfasst topische bis hin zu operativen Verfahren, Strahlentherapie und ggf. Chemotherapie.

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Definitiontoggle arrow icon

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Inzidenz
    • Selten in Ländern mit hohen hygienischen Standards
      • Deutschland (2014): 2/100.000 Männer/Jahr
    • Extrem selten in Ländern mit weitverbreiteter Zirkumzision (nordafrikanische/arabische Länder, Israel; <1/1.000.000 Männer)
    • Häufiger in Teilen Südamerikas, Mittel- und Südafrikas sowie Südostasiens (bis zu 10% der malignen Neoplasien bei Männern)
  • Alter: Neuerkrankungsraten steigen kontinuierlich mit dem Alter an
    • Mittleres Erkrankungsalter: 70 Jahre

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Risikofaktoren [1][2]

Präkanzerosen

Beschreibung Penile intraepitheliale Neoplasie (PeIN)
Nicht-HPV-assoziiert HPV-assoziiert Seltene PeIN
Histologische Bezeichnung
  • Differenzierte PeIN
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Klassifikationtoggle arrow icon

TNM-Klassifikation des Peniskarzinoms

TNM-Klassifikation des Peniskarzinoms von 2017 [1]
TNM-Klassifikation Definition
T - Primärtumor
TX
  • Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0
  • Kein Anhalt für Primärtumor
Tis
Ta
  • Nicht-invasives lokalisiertes Plattenepithelkarzinom
T1
T1a
  • Tumor ohne lymphovaskuläre oder perineurale Infiltration, nicht schlecht differenziert / nicht undifferenziert / nicht sarkomatoid
T1b
  • Tumor mit lymphovaskulärer Infiltration und/oder perineuraler Invasion oder schlecht differenziert / undifferenziert / sarkomatoid
T2
T3
T4
N – Regionäre Lymphknoten
Klinisch (c) Pathologisch (p)
NX
N0
  • Keine palpablen oder sichtbar vergrößerten Leistenlymphknoten
  • Keine regionären Lymphknotenmetastasen
N1
N2
  • Multiple oder bilaterale palpable mobile Leistenlymphknoten
N3
  • Metastase(n) in Beckenlymphknoten (uni- oder bilateral) oder extranodale Ausbreitung regionärer Lymphknotenmetastasen
M – Fernmetastasen
M0
  • Keine Fernmetastasen
M1
  • Fernmetastasen

UICC-Stadieneinteilung des Peniskarzinoms

UICC-Stadieneinteilung des Peniskarzinoms von 2017 [1]
Stadium TNM-Klassifikation
0 Tis, N0, M0 Ta, N0, M0
I T1a, N0, M0
IIA T1b, T2, N0, M0
IIB T3, N0, M0
IIIA T1/T2/T3, N1, M0
IIIB T1/T2/T3, N2, M0
IV T4, jedes N, M0 Jedes T, N3, M0 Jedes T, jedes N, M1
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Symptomatiktoggle arrow icon

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Diagnostiktoggle arrow icon

Diagnostik des Primärtumors [1]

  • Anamnese und körperliche Untersuchung
    • Urologische Anamnese inkl. Sexualanamnese
    • Inspektion und Palpation des Lokalbefundes: Erfassung von Lokalisation, Größe, Wachstumsmuster und Verschieblichkeit
    • Palpation der inguinalen Lymphknoten
    • Fotodokumentation
  • Sonografie: Beurteilung der Infiltrationstiefe des Primärtumors
  • Histologische Sicherung (obligat!)
    • Indikation: Frühzeitig bei allen unklaren penilen Läsionen
    • Biopsietechnik
      • Punch-, Inzisions- oder Exzisionsbiopsie
      • Mind. 2 getrennte, ausreichend große Biopsien aus Tumorrand und Zentrum
    • Sanierende Exzisionsresektion (bspw. radikale Zirkumzision): Bei kleinen, nur auf das Präputium begrenzten Läsionen möglich

Staging

Operatives Lymphknotenstaging beim Peniskarzinom [1]

Ausbreitungsdiagnostik (im fortgeschrittenen Stadium)

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Pathologietoggle arrow icon

Lokalisation

Histologische Einteilung des Peniskarzinoms (nach WHO) [1][2]

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Therapie des Primärtumors

Eine histologische Sicherung ist vor Therapiebeginn obligat. Wenn möglich, soll organ- und funktionserhaltend behandelt werden. Der Patient soll über alle therapeutischen Möglichkeiten beraten und aufgeklärt werden (insb. zu Lebensqualität, Organerhalt und lokaler Tumorkontrolle).

Nicht-invasive Tumoren (Ta, Tis, Präkanzerosen) [1][2]

  • Topische Therapie
    • 5-Fluoruracil oder Imiquimod (Off-Label und begrenzte Wirksamkeit): PeIN, bzw. Präkanzerosen
      • Nachsorge: Kontrollbiopsie und regelmäßige langfristige Nachsorgen
  • Lasertherapie
  • Operative Therapie
    • Chirurgische Deepithelialisierung (Glans Resurfacing): Bei ausgedehntem CiS der Glans mit anschließender Deckung mit Spalthaut
    • Radikale Zirkumzision: Bei auf das Präputium beschränkten Tumoren

Invasive, auf die Glans beschränkte Tumoren (T1 und T2) [1]

  • Lasertherapie: Nd:YAG-Laser mit Tiefenkoagulation bei T1-Tumoren
  • Operative Therapie
    • Methoden
      • Lokale Exzision: Bei kleineren Tumoren
      • Radikale Zirkumzision: Bei auf das Präputium beschränkten Tumoren
      • Glansektomie, ggf. mit Glansrekonstruktion: T1/T2-Tumoren
        • Penisteilamputation: Wenn Glansektomie nicht möglich und Wunsch nach operativer Therapie besteht
    • Besonderheiten
      • Belassen der nicht-erkrankten Vorhaut bei Teilexzision der Glans und Glansektomie möglich
      • Sicherheitsabstand zwischen Tumor und negativem Schnittrand ≥1 mm
  • Strahlentherapie
    • Brachytherapie (gleichwertig zur operativen Therapie)
    • Externe Bestrahlung (niedrige lokale Kontrolle im Vergleich zur operativen Therapie)

Tumoren mit Invasion der Corpora cavernosa (T3)

  • Operative Therapie
    • Penisteilamputation: Therapie der Wahl
    • Radikale Penektomie: Bei ausgedehntem Befall
  • Lokale Strahlentherapie (als Alternative zur operativen Therapie): Vorzugsweise Brachytherapie
    • Lokale Tumorkontrolle geringer als nach Penektomie
    • Schlechtere Ergebnisse bei ausgedehntem Tumor

Lokale und fortgeschrittene Tumoren (T4) [1]

Therapie bei Lymphknotenmetastasen [1]

Zur Diagnostik von Lymphknoten siehe: Operatives Lymphknotenstaging beim Peniskarzinom

Therapie fernmetastasierter Stadien

Therapie von Rezidiven

Lokal

  • Nach organerhaltender operativer Therapie: Behandlung wie Primärtumoren
  • Nach Strahlentherapie: Operative Salvage-Therapie
  • Nach topischer medikamentöser oder Lasertherapie: Jeweils andere Therapiemodalität

Regionäre Lymphknoten

  • Nach aktiver Beobachtung (pTa, pT1aG1): Behandlung wie primäre Lymphknotenmetastasen
  • Nach radikaler inguinaler Lymphadenektomie oder falsch-negativer invasiv-operativer Lymphknotendiagnostik
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Nachsorgetoggle arrow icon

Nachsorgeuntersuchungen und -intervalle

Untersuchung Nachsorgeintervall
1.–2. Jahr 3.–5. Jahr
Anamnese Vierteljährlich Halbjährlich
Körperliche Untersuchung
Ärztliche Betreuung und Beratung
Schnittbilduntersuchung oder Sonografie Bei pN1-Status im jeweiligen Intervall
Sonderfall: Penektomie und pN0 Vierteljährliche klinische Untersuchung Jährliche klinische Untersuchung

Rezidivmuster

  • >50% aller Rezidive (lokal und Lymphknoten): Innerhalb der ersten 2 Jahre
  • Regionäre Lymphknotenrezidive: Meist innerhalb der ersten 1,5 Jahre
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Prognosetoggle arrow icon

  • 5-Jahres-Überlebensrate stark stadienabhängig
    • Organbegrenzte Erkrankung: 85%
    • Lymphogen metastasierte Tumoren: 59%
    • Fernmetastasierung: 11%
  • Lymphknotenrezidiv: Schlechte Prognose
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Präventiontoggle arrow icon

  • Zirkumzision [1]
    • Neonatal: Effektive Präventivmaßnahme [2]
    • Pubertät: Geringe Reduktion der Inzidenz
    • Erwachsenenalter: Keine präventive Wirkung
  • Gute Genitalhygiene
  • HPV-Impfung von Jungen (9–14 Jahre)

Männer, die im Kindesalter beschnitten wurden, erkranken äußerst selten an einem Peniskarzinom!

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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