Retinoide werden therapeutisch bei unterschiedlichen Indikationen eingesetzt. Sie kommen sowohl in der Dermatologie als auch bei onkologischen Erkrankungen zum Einsatz. Für viele Indikationen gibt es keine offizielle Zulassung, sodass sie im Off-Label Use angewandt werden. Mit Retinoiden werden sehr gute Therapieeffekte erzielt, gleichzeitig muss der Einsatz aufgrund der Teratogenität und der z.T. schweren Nebenwirkungen sorgfältig abgewogen und bestimmte Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Chemisch betrachtet sind die Retinoide mit Retinol (Vitamin A) verwandt und können über die Bindung an bestimmte Rezeptoren die Expression von Zielgenen unterdrücken oder stimulieren.
Schwere Nierenfunktionseinschränkung: Therapiebeginn mit niedriger Dosis (z.B. 10 mg/d), Dosissteigerung bis zur max. verträglichen Dosis bzw. max. 1 mg/kgKG/d
Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion keine Dosisanpassung erforderlich, bei Auftreten von Nebenwirkungen allerdings Reduktion oder Therapieabbruch empfohlen
Therapiedauer 12–24 Wochen, Therapieabbruch bei (fast) vollständigem Abklingen der Beschwerden bzw. wenn sich nach 12 Wochen keine Besserung ergeben hat
Kontrazeption 1 Monat vor, während und bis einschließlich 1 Monat nach Beendigung der Therapie
Männer unter Therapie müssen für die Zeitspanne ein Kondom verwenden!
Standarddosierung
Bexaroten initial 300 mg/m2KOF/d, bei schweren Nebenwirkungen ggf. Reduktion auf 200 mg/m2KOF/d bzw. 100 mg/m2KOF/d, Dosissteigerung möglich, Dosen von >650 mg/m2KOF/d wurden nicht geprüft
Verkleinerung von Talgdrüsen, verringerte Aktivität der Sebozyten → Zusammen mit Keratolyse antikomedogene Wirkung (insb. Isotretinoin) → Reduktion der Bakterienzahl in den Talgdrüsen
Tumorprotektive Wirkung: Hemmung der Zellproliferation bei maligner Entartung, z.B. beim Kaposi-Sarkom
Aufgrund der starken Teratogenität muss vor der Therapie mit oralen und topischen Retinoiden eine Schwangerschaft ausgeschlossen und eine sichere Kontrazeption gewährleistet werden!
Aufgrund der Teratogenität und der z.T. schwerwiegenden Nebenwirkungen ist eine sorgfältige Aufklärung inkl. Dokumentation essenziell. Das Aushändigen der Patientenbroschüre ist Teil der Aufklärung. Minderjährige müssen im Beisein von mind. einer erziehungsberechtigten Person aufgeklärt werden, bei Sprachbarriere muss die Übersetzung gesichert sein.
Patientenbroschüre aushändigen, Checkliste durchgehen und Bestätigungsformular unterschreiben lassen (siehe: Checkliste/Bestätigungsformular für die Ärztin/den Arzt für die Verschreibung von Acitretin, Alitretinoin, Isotretinoin[20])