Allgemeine Parasitologie
Letzte Aktualisierung: 4.3.2026
Zusammenfassung
Parasiten sind Eukaryoten, die im Laufe ihres Lebens(-zyklus) von einem oder mehreren Wirten abhängig sind. Der Nutzen dieser Beziehung liegt einseitig beim Parasiten, der bspw. Nährstoffe im Darm des Wirts aufnimmt. Neben der Ernährung des Parasiten dient die Besiedelung des Wirts bspw. bei Protozoen und Helminthen auch der asexuellen oder geschlechtlichen Vermehrung. Weltweit sind ca. 1 Milliarde Menschen mit Nematoden (wie bspw. Enterobius vermicularis) infiziert, in Deutschland erreicht der Einzeller Toxoplasma gondii eine Durchseuchung von 30-50%. Wenn möglich, steht die Prophylaxe des Kontakts mit den Parasiten im Vordergrund, für viele Infektionen sind aber auch wirksame Medikamente bekannt.
Übersicht
Parasiten lassen sich anhand ihrer Morphologie und ihres Verhaltens in drei Gruppen einteilen:
Grundlagen der Parasitologie
Generell kann das Zusammenleben von Organismen in unterschiedlichen Formen erfolgen. Bei Parasiten liegt der Nutzen der Beziehung einseitig auf Seiten des Schmarotzers.
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Symbiose : Gegenseitiger Nutzen des Zusammenlebens
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Kommensalismus : Nutzen des Zusammenlebens nur auf Seiten des sogenannten Kommensalen, der Wirt wird dabei nicht geschädigt
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Parasitismus : Nutzen des Zusammenlebens nur auf der Seite des Parasiten mit Schädigung des Wirts
Lebenszyklus
Protozoen/Einzeller
Flagellaten
-
Charakteristikum: Fortbewegung mittels Geißeln
| Wichtigste Arten und Eigenschaften |
Wichtige Untergruppen |
Erkrankungen |
Giardien
- Bedeutsamer Erreger: Giardia intestinalis (auch G. duodenalis und G. lamblia genannt )
- Vorkommen: Weltweit
- Morphologie: Zwei Formen kommen im Lebenszyklus vor
- Trophozoiten sind fortpflanzungsfähig, haben zwei Zellkerne und vier Geißelpaare
- Zysten sind resistente Dauerformen und besitzen vier Zellkerne
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Endwirt ist der Mensch
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Anaerobier → Therapieoption: Metronidazol
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Trichomonaden
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Leishmanien
- Vorkommen: Vor allem in südlichen Ländern
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Endwirt ist die Sandmücke
- Der Mensch ist Zwischenwirt
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Leishmania major, tropica und mexicana
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Leishmania donovani und infantum
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Trypanosomen
- Morphologie: Gewundene, korkenzieher-/bohrerähnliche Flagellaten
- Vorkommen: Vor allem in südlichen Ländern
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Endwirt ist der jeweilige Arthropodenvektor
- Der Mensch ist Zwischenwirt
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Trypanosoma brucei
- Vorkommen: Vor allem in Afrika
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Vektor: Tsetse-Fliege aus der Familie der Zungenfliegen
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Trypanosoma cruzi
- Vorkommen: Vor allem in Südamerika
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Vektor: Blutsaugende Raubwanze
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Sporozoen
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Charakteristikum: Keine klassischen Bewegungsorganellen, jedoch ist durch Oberflächenproteine eine schlängelnde bzw. gleitende Bewegung möglich.
| Wichtigste Arten und Eigenschaften |
Wichtige Untergruppen |
Erkrankungen |
Toxoplasma gondii
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Endwirte sind Katzen
- Der Mensch ist Zwischenwirt
- Hohe Durchseuchungsrate
- Geringe Wirts- und Zellspezifität
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Plasmodium
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Plasmodium vivax und Plasmodium ovale
- Morphologische Charakteristika
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| Kryptosporidien |
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Cryptosporidium parvum
- Vorkommen: Weltweit
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Endwirt ist der Mensch
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Babesia
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Cyclospora
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Rhizopoden
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Charakteristikum: Fortbewegung mittels Pseudopodien
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Bekannteste Untergruppe: Amöben
| Wichtigste Arten und Eigenschaften |
Erkrankungen |
Darmamöben [2][3][4]
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Gattung: Vorwiegend Entamöben
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Spezies: U.a. Entamoeba histolytica , Entamoeba dispar, Entamoeba moshkovskii
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Vorkommen: Weltweit
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Endwirt: Mensch
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Stoffwechsel: Anaerobier
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Entwicklungsstadien von E. histolytica
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Ruhestadium: Zysten (widerstandsfähige Dauerform)
- Mikroskopie: 4 Kerne sichtbar
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Vegetatives Stadium: Trophozoiten (aktive Form, die während der Darmpassage aus den Zysten entsteht)
- Mikroskopie: 1 Kern sichtbar, Unterteilung in zwei Formen
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Minuta-Form (nicht-invasive Trophozoiten): Verursachen asymptomatische Amöbiasis und entwickeln sich später zu 4-kernigen Zysten
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Magna-Form (invasive Trophozoiten): Verursachen das klinische Bild einer Amöbenruhr oder Amöbenabszesse durch Eindringen in das Gewebe
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Lebenszyklus von E. histolytica
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Orale Aufnahme von Zysten (bspw. über mit Stuhl kontaminiertes Trinkwasser)
- Im Dünndarm: Bildung mehrerer Trophozoiten aus einer Zyste
- Im Dickdarm: Einwanderung und Vermehrung der Trophozoiten (Teilung)
- Trophozoiten können ausschließlich intraluminal verbleiben (nicht-invasiv, Minuta-Form)
- Trophozoiten können sich an Enterozyten heften und diese mittels proteolytischer Enzyme zerstören (invasiv, Magna-Form)
- Im distalen Dickdarm: Umwandlung der Trophozoiten zu neuen Zysten
- Ausscheidung von Zysten über den Stuhl
- Mögliche (Re‑)Infektionsgefahr durch orale Aufnahme von Zysten
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Freilebende Amöben [5][6]
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Gattungen: U.a. Acanthamoeba, Balamuthia, Naegleria
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Spezies: U.a. Acanthamoeba castellanii, Balamuthia mandrillaris, Naegleria fowleri
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Vorkommen: Weltweit, insb. in Erde und Wasser
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Ziliaten
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Charakteristikum: Fortbewegung mittels Zilien (härchenförmige Zytoplasmafortsätze)
| Wichtigste Art und Eigenschaften |
Erkrankung |
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Balantidium coli [7]
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Helminthen
Arthropoda
Therapie
Antiprotozoika
Die metabolischen Prozesse der Einzeller sind denen des Menschen sehr ähnlich, daher stellt sich die Therapie nicht immer einfach dar. Entsprechende Medikamente unterscheiden sich stark in ihrer Wirkweise und lösen teils ausgeprägte Nebenwirkungen aus. Häufig werden auch Medikamente angewendet, die ihre Indikation eigentlich im Rahmen von bakteriellen Infektionen oder bei Pilzbefall haben.
Wichtige Beispiele sind
Anthelminthika
Charakteristika: Die Anthelminthika wirken vermizid und sind allesamt in der Schwangerschaft kontraindiziert. Während bei Erkrankungen mit Taenia häufig Einmalgaben ausreichend sind, kann eine Infektion mit Echinococcus multilocularis in einigen Fällen eine lebenslange Therapie notwendig machen.
| Wirkstoffgruppe |
Wirkstoff |
Charakteristika |
Anwendungsgebiet |
| — |
Praziquantel (z.B. Cysticide®, Biltricide®)
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Wirkmechanismus: Vermehrter Calciumeinstrom durch die Wurmoberfläche
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Nebenwirkungen: Bauchschmerz, Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö
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Zu beachten: Bei den meisten Würmern reicht eine Einmalgabe aus
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| GABAAR-Aktivatoren |
Ivermectin (z.B. Driponin®)
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| Mikrotubuli-Inhibitoren |
Albendazol (z.B. Eskazole®)
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Mebendazol (z.B. Vermox®, Surfont®)
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| — |
Pyrvinium (z.B. Molevac®) |
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Zulassung: Ab 1 Jahr
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Standarddosierung (jedes Alter): Pyrvinium (z.B. Molevac®) 5 mg/kgKG p.o. als Einzeldosis, Wiederholung nach 2 Wochen
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Zu beachten
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Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
- Führt zur Stuhlentfärbung
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| Imidazole |
Pyrantel (z.B. Helmex®) |
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Zulassung: Ab dem 7. Lebensmonat
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Standarddosierung (jedes Alter): Pyrantelembonat (z.B. Helmex®) 10 mg/kgKG p.o. als Einzeldosis, Wiederholung nach 2 Wochen, Tagesmaximaldosis 1 g, bei schwerem Befall 10 mg/kgKG p.o. als Einmaldosis an 3 aufeinanderfolgenden Tagen
-
Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen Pyrantelembonat, Soja, Erdnuss oder sonstige Bestandteile sowie bei Leberschädigung
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- Für weitere Informationen siehe:
Ektoparasitizide
Einige Arthropoden haben einen großen Stellenwert als Vektor, andere führen selbst zu einem Krankheitsbild. Wichtig ist vor allem die Expositionsprophylaxe, bei der neben physikalischen Maßnahmen wie langer Kleidung auch sogenannte Repellents und Insektizid-Sprays angewendet werden. Für Laus- und Milbenerkrankungen gibt es spezielle Medikamente, von denen in der Tabelle einige der häufigsten beschrieben sind.
| Wirkstoffgruppe |
Wirkstoff |
Charakteristika |
Anwendungsgebiet |
| Natriumkanalaktivatoren |
Permethrin(z.B. Infectopedicul®)
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Topische Anwendung
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Wirkmechanismus: Toxische Wirkung durch Anreicherung im Nervengewebe des Arthropoden
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Nebenwirkungen
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Zu beachten
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Permethrin ist aufgrund seiner toxischen Wirkung bei der Pedikulosetherapie mittlerweile in den Hintergrund getreten, da hier genügend Alternativen verfügbar sind. Bei der Therapie der Skabies ist Permethrin nach wie vor das Mittel der ersten Wahl. (Stand 08/2017)
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Nicht anzuwenden bei Allergie gegen Permethrin, andere Pyrethrine oder andere Bestandteile
- In der Schwangerschaft nur nach strenger Indikation anzuwenden, in der Stillzeit nach der Anwendung eine Stillpause von 3 Tagen einlegen
- Bei allergischen Reaktionen sofort Therapie abbrechen, bei Augenkontakt sofort gründlich ausspülen
- Beim Auftragen der Lösung Einmalhandschuhe verwenden, um unnötigen Hautkontakt zu vermeiden
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| Reduktoren der Oberflächenspannung |
Dimeticon (z.B. Nyda®, Jacutin Pedicul® Fluid)
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- Für weitere Informationen siehe
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