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Spondylolisthese

Letzte Aktualisierung: 6.5.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Spondylolisthesen bezeichnen die Translation eines Wirbelkörpers gegenüber dem angrenzenden kaudalen Segment (sog. Wirbelgleiten). Anhand der Ursache des Gleitvorgangs oder des Ausmaßes dieser Translationsbewegung ist eine Einteilung möglich. Ätiologisch unterscheidet man die angeborene (dysplastische) von erworbenen Formen (traumatisch, postoperativ, pathologisch, degenerativ); das Ausmaß kann nach Meyerding (Grad I–V) klassifiziert werden. Anhand anatomischer Merkmale lässt sich zudem die isthmische Spondylolisthese (mit Defekt der Pars interarticularis) von der degenerativen Spondylolisthese (ohne Defekt der Pars interarticularis) abgrenzen. Die klinische Symptomatik reicht von beschwerdefrei über lumbale Rückenschmerzen und radikuläre Beschwerden bis hin zu neurogener Claudicatio sowie Veränderungen des Gangbildes. Die Diagnose wird bildgebend gesichert, wobei konventionelle Röntgenaufnahmen (inkl. Funktionsaufnahmen) und die MRT im Vordergrund stehen. Die Therapie richtet sich nach Symptomatik und Schweregrad. Bei leichteren Formen erfolgt sie meist konservativ mittels Physiotherapie und Schmerztherapie. Bei hochgradiger Spondylolisthese oder Therapieresistenz kann eine operative Stabilisierung indiziert sein.

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Definitiontoggle arrow icon

  • Spondylolisthese: Sagittale Verschiebung eines Wirbels im Verhältnis zum angrenzenden kaudalen Wirbel, meist nach ventral (Anterolisthese), seltener nach dorsal (Retrolisthese)
    • Isthmische Spondylolisthese: Meist erworben, entsteht infolge eines Defekts der Pars interarticularis [2]
    • Degenerative Spondylolisthese (Pseudospondylolisthesis): Erworben, entsteht infolge degenerativer Veränderungen der Wirbelsäule ohne Defekt der Pars interarticularis [3]
    • Kongenitale (dysplastische) Spondylolisthese: Angeboren, entsteht infolge einer anlage- oder entwicklungsbedingten strukturellen Schwäche oder Fehlbildung des Wirbelbogens
  • Spondylolyse: Spaltbildung in der Pars interarticularis eines Wirbelbogens (ein- oder beidseitig)
  • Spondyloptose: Vollständiges Abgleiten und Abkippen des Wirbelkörpers (kein Kontakt mehr vorhanden zur Deckplatte des kaudalen Wirbels)

Bei der isthmischen Spondylolisthese gleitet „nur“ der Wirbelkörper, bei der degenerativen Spondylolisthese hingegen der gesamte Wirbel inkl. Wirbelbogen und Processus!

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Epidemiologietoggle arrow icon

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Ätiologietoggle arrow icon

Ätiologische Einteilung [1][6]

  • Angeboren: Dysplasie der knöchernen Strukturen (→ Spondylolyse)
  • Erworben
    • Traumatisch
    • Postoperativ
    • Pathologisch
    • Degenerativ

Risikofaktoren [1][5][7]

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Klassifikationtoggle arrow icon

Klassifikation nach Meyerding

Einteilung der Spondylolisthese nach Meyerding (1932) [9]
Grad Ausmaß der Anterolisthese
I
  • 0–25%
II
  • 26–50%
III
  • 51–75%
IV
  • 76–100%
V (Spondyloptose)
  • >100%

Bei der Beurteilung des Schweregrades gilt die 50%-Marke als Grenzwert: Grad I und II nach Meyerding bezeichnen eine leichte, Grad III–V eine hochgradige Spondylolisthese! [1][9]

Modifizierte Klassifikation nach Wiltse und Rothman

Modifizierte Klassifikation der Spondylolisthese nach Wiltse und Rothman (1989) [10]
Typ Beschreibung
I
  • Angeborene oder dysplastische Spondylolisthese
    • A: Axiale Ausrichtung der Gelenkfortsätze
    • B: Sagittale Ausrichtung der Gelenkfortsätze
II
III
IV
  • Traumatische Spondylolisthese
V
  • Pathologische Spondylolisthese
VI
  • Postoperative Spondylolisthese

Klassifikation der Spinal Deformity Study Group (SDSG)

  • Radiologische Kriterien
    • Anterolisthese
      • Low-grade: <50%
      • High-grade: ≥50%
    • Pelvic Incidence
      • Niedrig: <45°
      • Normal: 45–60°
      • Hoch: ≥60°
    • Pelvic Tilt
      • Niedriger Tilt
      • Hoher Tilt
    • Sacral Slope
      • Niedriger Slope
      • Hoher Slope
    • Sagittale Balance
      • Balanciert: Lot von C7 verläuft hinter oder max. durch den Femurkopf
      • Unbalanciert: Lot von C7 verläuft vor dem Femurkopf
  • Dreischrittige Klassifikation
    • 1. Schritt: Bestimmung der Anterolisthese
    • 2. Schritt: Bestimmung der Pelvine Parameter (Pelvic Incidence, Pelvic Tilt und Sacral Slope)
    • 3. Schritt: Einteilung in 6 Typen
      • Low-Grade-Anterolisthese: Weitere Einteilung anhand der Pelvic Incidence
      • High-Grade-Anterolisthese: Weitere Einteilung anhand des Pelvic Tilt, des Sacral Slope und der sagittalen Balance

Die Klassifikation der SDSG bietet eine Entscheidungshilfe für die Therapie der L5/S1-Spondylolisthese. Sie sollte nicht bei einer degenerativen Spondylolisthese oder einer L4/L5-Pathologie angewandt werden!

Klassifikation der SDSG [11]
Typ Anterolisthese Pelvine Parameter Empfohlene operative Therapie
1
  • Low-grade (<50%)
  • Niedrige Pelvic Incidence (<45°)
2
  • Normale Pelvic Incidence (45–60°)
  • Fusion L5–S1
3
  • Hohe Pelvic Incidence (>60°)
  • Dorsale Fusion L5–S1
4
  • High-grade (≥50%)
  • Hohe Pelvic Incidence (>60°)
  • Balanciertes Becken
  • Dorsale Fusion L5–S1
5
  • Retrovertiertes Becken
  • Sagittale Balance
  • Dorsale Fusion L5–S1
6
  • Retrovertiertes Becken
  • Sagittale Dysbalance
  • Dorsale Fusion L4–S1

Klassifikation der Clinical and Radiographic Degenerative Spondylolisthesis (CARDS)

  • Radiologische Kriterien
  • Klinischer Modifier: Beschwerden in der unteren Extremität
    • 0 = Keine Beschwerden
    • 1 = Einseitige Beschwerden
    • 2 = Beidseitige Beschwerden
  • Zweischrittige Klassifikation
    • 1. Schritt: Bestimmung des Typs anhand radiologischer Kriterien
    • 2. Schritt: Einteilung in 12 Subtypen anhand des klinischen Modifiers
Klassifikation der CARDS (2015) [12]
Typ Degeneration des Wirbelsäulensegmentes Translation Kyphose Stabilität
A (fortgeschrittener Bandscheibenkollaps ohne Kyphose)
  • Irrelevant für Einteilung
  • Nicht vorhanden
  • Relativ stabil
B (moderate Bandscheibendegeneration mit geringer Translation)
  • ≤5 mm
  • Nicht vorhanden
  • Potenziell instabil
C (moderate Bandscheibendegeneration mit vermehrter Translation)
  • >5 mm
  • Nicht vorhanden
D (kyphotische Abwinklung)
  • Irrelevant für Einteilung
  • Irrelevant für Einteilung
  • Vorhanden
  • Relativ instabil
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Symptomatiktoggle arrow icon

Insb. geringgradige Spondylolisthesen können symptomarm verlaufen!

Bei der isthmischen Form sind radikuläre Symptome infolge einer Enge der Neuroforamina typisch, bei der degenerativen hingegen Symptome einer Spinalkanalstenose!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Anamnese

  • Eigen- und Familienanamnese
    • Wirbelsäulenerkrankungen
    • Trauma oder sportliche Betätigung
    • Vor-OPs der Wirbelsäule
    • Vormedikation und Begleiterkrankungen
  • Beschwerden
    • Beginn und Verlauf
    • Lokalisation und Ausstrahlung
    • Provokation
  • Weitere Symptome: Insb. Sensibilitätsstörungen, Störung von Blasen- und Mastdarmfunktion

Körperliche Untersuchung [13][14]

Ein L5-Syndrom kann bspw. Folge einer degenerativen Spondylolisthese L4/L5 mit Enge des Spinalkanals oder einer isthmischen Spondylolisthese L5/S1 mit Enge des Neuroforamens sein.

Bildgebung [1][14]

Auswahl bildgebender Verfahren zur Diagnostik einer Spondylolisthese [1][7][14]
Verfahren Typische Indikation Durchführung Möglicher Befund [15]
Konventionelle Röntgenaufnahme
  • Ausgangsuntersuchung
  • Wirbelsäulenabschnitt in 2 Ebenen im Stehen
  • Funktionsaufnahmen in max. Flexion und Extension
  • Wirbelsäulenganzaufnahme in 2 Ebenen im Stehen inkl. Hüftköpfe
MRT
  • 3T-MRT mit T1- und T2-Gewichtung sowie ggf. STIR-Sequenz
  • Sagittale, axiale und koronare Schichten
  • Ggf. Kontrastmittelgabe
  • Ausnahme: Unter axialer Belastung (Upright-MRT)
CT
  • Differenzierung zwischen weicher und knöcherner Einengung
  • 3D-Rekonstruktion möglich
  • Ggf. unzureichende Darstellung von Weichgewebe
Myelografie
  • Kontraindikation für MRT
  • Diagnostische Unklarheit
  • Intrathekale Kontrastmittelgabe plus Röntgenaufnahme
  • Funktionsmyelografie
  • Kombination mit Post-Myelo-CT
  • Bewegungsabhängige Instabilität und/oder Stenose

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Vertebragene Ursachen [7]

Extravertebragene Ursachen [7]

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapietoggle arrow icon

Konservative Therapie [1][14]

Eine asymptomatische Spondylolyse oder Spondylolisthese bei Erwachsenen bedarf keiner Therapie! Die Indikation zur Therapie erfolgt anhand der klinischen Symptome und nicht anhand des radiologischen Befundes!

Insb. bei der degenerativen Spondylolisthese können Beschwerden Folge der degenerativen Veränderungen selbst sein! Bei der Therapieentscheidung ist daher eine sorgfältige Diagnosestellung essenziell! [7]

Operative Therapie [1][2][3][13][17][18]

Isthmische Spondylolisthese

Degenerative Spondylolisthese

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Komplikationentoggle arrow icon

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Prognosetoggle arrow icon

  • Wahrscheinlichkeit der Progression einer Spondylolyse zur Spondylolisthese
  • Risikofaktoren für eine Progression der Spondylolisthese zu einem höheren Grad [21][22]
    • Weibliches Geschlecht
    • Frühes Auftreten der Spondylolyse im Kindesalter
    • Initial stark ausgeprägte Anterolisthese
    • Anatomische Faktoren
      • Dysplastische Facettengelenke
      • Ausgeprägte Lordose der LWS
      • Ausgeprägte Kyphose eines Wirbelsäulensegments
      • Sagittale Balance: Hohe Pelvic Incidence, hoher Sacral Slope
      • L5/S1-Konfiguration: Trapezoidförmiger L5 und domförmiger S1
  • Posttherapeutische Erfolgsaussichten [1]
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Lokalisation der Wirbelsäulenbeteiligung

  • 0 Mehrere Lokalisationen der Wirbelsäule
  • 1 Okzipito-Atlanto-Axialbereich
  • 2 Zervikalbereich
  • 3 Zervikothorakalbereich
  • 4 Thorakalbereich
  • 5 Thorakolumbalbereich
  • 6 Lumbalbereich
  • 7 Lumbosakralbereich
  • 8 Sakral- und Sakrokokzygealbereich
  • 9 Nicht näher bezeichnete Lokalisation

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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