Zusammenfassung
Als chronische Nierenkrankheit (veraltet: chronische Niereninsuffizienz, chronische Nierenerkrankung) wird eine dauerhaft verringerte Nierenfunktion bezeichnet. Durch die spezielle Doppelfunktion der Niere als ausscheidendes und endokrin wirksames Organ sind dabei verschiedene Folgeerscheinungen zu beobachten: Einerseits kommt es durch Einschränkung der komplexen Filtrations- und Ausscheidungsfunktionen zur Störung des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushaltes. Andererseits führt die unzureichende Hormonproduktion der kranken Niere unter anderem zu Anämie (EPO-Mangel) oder Osteopathie (Calcitriolmangel u.a.).
Häufigste Ursache im Globalen Norden ist eine diabetische Nephropathie. Therapeutisch stehen neben der Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen (z.B. Diabeteseinstellung) die Entlastung der Niere (Flüssigkeitszufuhr, Vermeidung von Noxen) und eine optimale Blutdruckeinstellung im Vordergrund. Zudem müssen Folgeerscheinungen der endo- und exokrinen Funktionsstörungen behandelt werden – z.B. durch medikamentöse Einflussnahme auf den pathologisch gestörten Calciumhaushalt oder eine Korrektur des Wasser- und Elektrolythaushaltes. Langfristig gelingt dies bei höhergradiger chronischer Nierenkrankheit nur durch ein Nierenersatzverfahren (Dialyse) oder eine Organtransplantation.
Definition
- Irreversible Abnahme der exkretorischen (glomerulären, tubulären ) und inkretorischen (endokrinen ) Nierenfunktion
- Definiert als strukturelle oder funktionelle Auffälligkeit der Niere über mehr als 3 Monate mit Auswirkungen auf die Gesundheit
- Auffälligkeiten und somit Kriterien zur Diagnosestellung können dabei bspw. pathologische Befunde im Urinsediment, in der Bildgebung oder Histologie oder eine GFR <60 mL/min/1,73 m2 sein
Epidemiologie
- In Deutschland gibt es >60.000 Dialysepatienten
Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.
Ätiologie
| Häufigste Ursachen | |
|---|---|
| Diabetische Nephropathie (= Glomerulosklerose Kimmelstiel-Wilson) | mit ca. 30–40% häufigster Grund in Deutschland |
| Hypertensive Nephropathie | ca. 20% |
| Glomerulonephritiden | ca. 10–15% (häufigster Grund bei jungen Erwachsenen) |
| Polyzystische Nierenerkrankungen | ca. 10% |
| Tubulo-interstitielle Nierenerkrankungen (rezidivierende Pyelonephritis, Analgetikanephropathie) | ca. 10% |
| Weitere Ursachen: Vesikoureteraler Reflux, Nephrolithiasis, Amyloidose u.a. | |
Symptomatik
Exkretorisch
„Überwässerung“
- Hypertonie
- Periphere Ödeme
-
Lungenödem
- Oftmals interstitielles Lungenödem („fluid lung“): Fehlen der typischen feuchten Rasselgeräusche, da sich die Flüssigkeit nicht im alveolären Raum befindet
Urämie
- Kurzbeschreibung: „Intoxikation“ durch Ansammlung harnpflichtiger Substanzen. Genaue Zuordnung nicht bekannt, aber in erster Linie durch Metabolite des Eiweißstoffwechsels bzw. nicht renal eliminierte/erhöhte Serumeiweiße: u.a. Harnstoff, Kreatinin, β2-Mikroglobulin, Parathormon
- Allgemeinsymptome: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen
- Typische Zeichen
- Urämischer Foetor
- Hautflecken (Café-au-lait-Farbe, „schmutziges Hautkolorit“)
- Häufig nephrogener Pruritus
- Weitere Folgen
- Hämolyse durch Urämietoxine (Hautblässe, Anämie)
- Urämische Pleuritis
-
Urämische Perikarditis
- Pathologie: Fibrinöse Perikarditis („Zottenherz“)
- Klinik: Perikardreiben
- Urämische Enzephalopathie
- Definition: Akute diffuse Funktionsstörung des Hirngewebes durch Akkumulation von Harnstoff und neurotoxischen Abbauprodukten
- Symptome: Zerebrales Allgemeinsyndrom mit epileptischen Anfällen, qualitativen und quantitativen Bewusstseinsstörungen (Somnolenz bis Koma)
- Urämische Polyneuropathie
- Definition: Progrediente Nervengewebsschädigung durch wiederkehrende Akkumulation neurotoxischer Abbauprodukte
- Schädigungsmuster: Gemischte, axonal-demyelinisierende sensomotorische Polyneuropathie mit inhomogenem Verteilungsmuster
- Symptome: Hypästhesie, Parästhesien, Thermhypästhesie, Lagesinnstörung, später schlaffe myatrophe Paresen
- Reduktion der Inzidenz durch moderne periodische Dialyseverfahren und Nierentransplantation
- Urämische Gastroenteropathie: Übelkeit, Erbrechen
- Thrombozytopenie bzw. Thrombozytendysfunktion, Leukozytendysfunktion
Elektrolyte und pH
Inkretorisch (endokrin)
- Renale Anämie
- Hauptursache: Erythropoetin-Mangel → Geringere Stimulation der Erythrozytensynthese bei „vorhandenen Substraten“ → Normochrome, normozytäre Anämie
- Weitere Ursachen: Verkürzte Überlebenszeit der Erythrozyten durch urämische Hämolyse; Blutverluste aufgrund urämischer Blutungsneigung; Hemmung der Erythropoese durch Urämietoxine u.a.
- Renale Osteopathie
- Definition: Sammelbegriff für Veränderungen des Knochenstoffwechsels bei chronischer Nierenkrankheit
- Bedeutsam ist v.a. die Genese über einen sekundären Hyperparathyreoidismus („high-turnover-Osteopathie“)
- Weitere Formen u.a. Osteomalazie und adynamische Osteopathie
Durch die Hyperphosphat- und Hypokalzämie bei Mangel an Calcitriol kommt es zum sekundären Hyperparathyreoidismus und zur renalen Osteopathie!
Stadien
Normalwerte der glomerulären Filtrationsrate (GFR)
Es gibt keine allgemein gültigen Normwerte für die GFR – sie ist abhängig von Alter, Geschlecht und Muskelmasse!
- Methoden: Abschätzung der GFR mittels verschiedener Formeln
- Normwerte nach Geschlecht (Erwachsene bis ca. 30 Jahre) [1]
- Männer: Ca. 110 mL/min/1,73 m2
- Frauen: Ca. 95 mL/min/1,73 m2
- Abnahme mit steigendem Lebensalter
- Nach dem 30. Lebensjahr durchschnittlicher Abfall von ca. 10 mL/min pro 10 Jahre
Stadieneinteilung nach KDIGO [2]
Die Stadieneinteilung der chronischen Nierenkrankheit erfolgt anhand der errechneten GFR und des Ausmaßes einer bestehenden Albuminurie.
Stadieneinteilung nach GFR
| Stadien der GFR-Reduktion | ||
|---|---|---|
| Stadium | Bezeichnung | GFR (in mL/min/1,73 m2) |
| G1 | GFR normal oder erhöht | ≥90 |
| G2 | GFR leichtgradig reduziert | 60–89 |
| G3 | GFR mittelgradig reduziert | G3a: 45–59 |
| G3b: 30–44 | ||
| G4 | GFR hochgradig reduziert | 15–29 |
| G5 | Nierenversagen [3] | <15 |
Stadieneinteilung nach Albuminurie
| Stadien der Albuminurie (siehe auch: Proteinurie - Klassifikation) | |
|---|---|
| Stadium | Albuminurie (in mg/24 h) |
| A1 | <30 |
| A2 | 30–300 |
| A3 | >300 |
Zur Stadieneinteilung der chronischen Nierenkrankheit werden die Buchstaben- und Ziffernkombinationen von GFR-Reduktion und Albuminurie zusammengesetzt! Beispiel: Eine GFR von 50 mL/min/1,73 m2 und ein Albumin-Kreatinin-Quotient von 50 mg/g entsprechen dem Stadium G3aA2.
Diagnostik
- Blutuntersuchung
- Hämoglobin↓, MCV unverändert, ggf. Erythropoetin-Spiegel↓
- Elektrolyte: Insbesondere Kalium↑, Calcium↓, Phosphat↑
- Retentionsparameter↑
- BGA (pH-Überwachung)
- Bestimmung von Vitamin D und PTH
- Urinuntersuchung
- Sonografie (Größe der Nieren, Parenchymdicke u.a.)
- Ggf. Nierenbiopsie zur Ursachenklärung
Bei chronischer Nierenkrankheit ist neben der Überwachung der Kaliumwerte insb. auch die der Calcium- und Phosphatwerte wichtig!
Verlaufsuntersuchungen bei Risikopatienten sollen Kreatinin-Bestimmungen und Urinstatus beinhalten. (DGIM - Klug entscheiden in der Nephrologie)
Zur renalen und kardiovaskulären Risikoabschätzung soll bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit (CKD, GFR <60 mL/min) neben einer eGFR-Abschätzung eine quantitative Bestimmung der Proteinurie (zum Beispiel als Albumin-Kreatinin-Ratio im Spontan- oder Sammelurin) erfolgen. (DGIM - Klug entscheiden in der Nephrologie)
Bei Patienten mit chronischer Nierenkrankheit und einer GFR <45 mL/min (CKD-Stadium 3b oder höher) soll eine Bestimmung von Serum-Phosphat, iPTH und 25-OH-Vitamin D3 erfolgen. (DGIM - Klug entscheiden in der Nephrologie)
Therapie
Allgemein
- Aufrechterhaltung der Nierenfunktion
-
Ausgeglichene Flüssigkeitszufuhr (etwa 2 Liter/Tag) mit Vermeidung einer Exsikkose oder Ödemen
- Ziel: Ausreichende Diurese (Harnstoffelimination), ggf. auch unter Einsatz von Diuretika
- Kontrolle und Korrektur der Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalte
- Kochsalz (NaCl)
- Grundsätzlich keine Diät erforderlich
- Einschränkung bei Ödemen oder Hypertonie
- Kaliumarme Diät, ggf. Kaliumbinder
- Bicarbonat bei Azidose
- Kochsalz (NaCl)
-
Ausgeglichene Flüssigkeitszufuhr (etwa 2 Liter/Tag) mit Vermeidung einer Exsikkose oder Ödemen
- Reduktion von Risikofaktoren
-
Vermeidung nephrotoxischer Substanzen
- NSAR
- Nikotin
- Weitere, z.B. Aminoglykoside, Aciclovir, Cisplatin
- Strenge Blutdruckeinstellung
- Auf Werte unterhalb von 130/80 mmHg bzw. bei Proteinurie ≥1 g/Tag unterhalb von 125/75 mmHg
- Gute Blutdruckeinstellung von entscheidender Bedeutung, um Progredienz der Erkrankung zu verhindern
- Medikamentöse Therapie sollte einen ACE-Hemmer enthalten (alternativ AT1-Rezeptorblocker) → nephroprotektiv
- Therapie einer Hyperlipidämie
- CAVE bei Diabetes-Therapie: Insulinbedarf kann sinken!
- Eiweißarme Ernährung als Therapieansatz umstritten
-
Vermeidung nephrotoxischer Substanzen
Der unbedachte Einsatz von NSAR bei Schmerzen kann eine bestehende chronische Nierenkrankheit verschlechtern!
Hohe orale Flüssigkeitsmengen sollen nicht eingesetzt werden, um die Nierenfunktion zu bessern oder „Nieren zu spülen“. (DGIM - Klug entscheiden in der Nephrologie)
Bei allen Patienten mit CKD und/oder unter immunsuppressiver Therapie soll regelmäßig der Impfstatus geprüft und Impfungen gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) aufgefrischt werden. (DGIM - Klug entscheiden in der Nephrologie)
Speziell
- Renale Anämie
- Gabe eines synthetischen EPOR-Agonisten: Erythropoetin
- Eventuell parallele Eisengabe je nach Serum-Ferritin und Transferrinsättigung
- Nebenwirkungen: Thromboseneigung und Blutdrucksteigerung
- Gabe eines synthetischen EPOR-Agonisten: Erythropoetin
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus (renale Osteopathie)
- Diätische Phosphatrestriktion (u.a. Vermeidung von Schmelzkäse, Nüssen)
- Phosphatbinder: Calciumacetat, Calciumcarbonat
- Vitamin-D-Substitution: Calcitriol (aktives 1,25(OH)2-Vitamin D oral)
- Cinacalcet (Allosterische CaSR-Modulatoren): Senkung der Parathormon-Freisetzung → Calcium- und Phosphatspiegel↓
- Bei Therapierefraktärität: Operative Entfernung der Nebenschilddrüsen
- Dialysepflichtige chronische Nierenkrankheit
- Behandlungsmethode der Wahl: Nierentransplantation
- Übergangslösung: Nierenersatzverfahren
AMBOSS-Pflegewissen: Chronische Nierenkrankheit
Für Grundlagen der Anatomie und Physiologie siehe: Niere
Beobachten/Überwachen
Basismonitoring
Siehe: Chronische Nierenkrankheit - Symptome für die Ursachen der Symptome / Überwachungsschwerpunkte
- Das Basismonitoring erfolgt regelmäßig in ärztlich angeordneten Intervallen
- Blutdruck
- Insb. bei Überwässerung erhöhter Blutdruck möglich
- Zielbereich nach ärztlicher Anordnung: I.d.R. Werte <130/80 mmHg bzw. bei Proteinurie ≥1 g/Tag <125/75 mmHg
- Gute Blutdruckeinstellung von entscheidender Bedeutung, um Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern
- Herzfrequenz und -rhythmus: Bei Elektrolytstörung ggf. Herzrhythmusstörungen
- Atmung: Dyspnoe und/oder Tachypnoe
- Blutzucker: Bei Diabetestherapie kann der Bedarf an extern zugeführtem Insulin sinken
- Körpergewicht: Täglich
- Arzt/Ärztin informieren: Bei kontinuierlicher Gewichtszunahme (ohne ernährungsbedingte Ursache)
- Flüssigkeitsbilanzierung: Dokumentation von Ein- und Ausfuhr nach ärztlicher Anordnung
- Urin: Menge, Aussehen und Beschwerden bei der Urinausscheidung
- Ggf. zusätzlich: Monitorüberwachung, spO2
Bei einem insulinpflichtigen Diabetes kann der Bedarf an extern zugeführtem Insulin bei Fortschreiten einer chronischen Nierenkrankheit sinken!
Überwachung weiterer Symptome und Nebenwirkungen
- Neurologische Symptome: Zunehmende Müdigkeit, Benommenheit als Hinweis auf eine Urämie
- Ödeme
-
Haut: Auf Veränderungen, bspw.
- Blässe
- Generalisierter Juckreiz , siehe auch AMBOSS-Pflegewissen: Pruritus
Bei abnehmender Urinausscheidung und Belastbarkeit, zunehmenden Ödemen und respiratorischen oder neurologischen Symptomen ist das ärztliche Personal zu informieren!
Medikamentöse Therapie
- ACE-Hemmer: Nephroprotektiv, daher zur Blutdruckeinstellung bevorzugt eingesetzt
- Nebenwirkungen: Bspw.
- Hypotonie
- Reizhusten
- Hyperkaliämie
- Nebenwirkungen: Bspw.
- Erythropoetin: Bei renal bedingtem Erythropoetinmangel zur Substitution
- Nebenwirkungen: Bspw.
- Blutdrucksteigerung
- Erhöhte Thromboseneigung
- Nebenwirkungen: Bspw.
Pflege bei Therapie mit Diuretika
- Indikation: Bei unzureichender Flüssigkeitsausscheidung
- Überwachung auf mögliche Nebenwirkungen: Ärztliches Personal informieren
- Herzfrequenz: Arrhythmien durch Elektrolytverschiebungen (Hypokaliämie bzw. bei kaliumsparenden Diuretika Hyperkaliämie sowie Hypokalzämie)
- Blutdruck: Hypotonie durch Exsikkose bei übermäßiger Ausscheidung
- Gewicht: Schneller Gewichtsverlust >1 kg/Tag durch erhöhte Ausscheidung
- Blutzucker: Hyperglykämie
- Flüssigkeitshaushalt: Insb. auf ungewollte negative Bilanz und daraus resultierende Zustände, bspw.
- Hypovolämie und Exsikkose → Thromboseprophylaxe durchführen! Siehe auch: Phlebothrombose
- Stuhlgang: Insb. Frequenz und ausreichende Menge aufgrund einer erhöhten Obstipationsgefahr → Obstipationsprophylaxe durchführen!
- Gelenke: Zeichen eines akuten Gichtanfalls
- Schwellung, Schmerzen und weitere lokale Entzündungszeichen in Gelenken
- Hörvermögen: Mögliche Hörschäden durch Ototoxizität
- Bei i.v. Gaben von Schleifendiuretika wie bspw. Furosemid nach ärztlicher Anordnung
- Langsam injizieren oder infundieren, möglichst über eine Infusionspumpe mit konstanter Flussrate verabreichen → Injektionsgeschwindigkeit von 4 mg/min, bei fortgeschrittener Nierenfunktionseinschränkung von 2,5 mg/min nicht überschreiten
- Injektionslösung keinesfalls mit anderen Arzneimitteln mischen
- Bei Verabreichung als Infusion: Lösung mit kompatibler Trägerflüssigkeit verdünnen, bspw. mit physiologischer Kochsalzlösung
- Bei i.v. Gaben von Schleifendiuretika wie bspw. Furosemid nach ärztlicher Anordnung
- Neurologische Symptomatik:
- Bspw. Kopfschmerzen, Schwindel, Vergesslichkeit, Übelkeit/Erbrechen durch Hyponatriämie
- Bspw. periorale Kribbelparästhesien durch Hypokalzämie
- Evtl. Anlage eines Blasenkatheters: Nach ärztlicher Anordnung, insb. bei Notwendigkeit einer korrekten Flüssigkeitsbilanzierung
- Prophylaxen: Insb.
Mobilisation/Körperpflege
- Körperpflege
- Bei Dekompensation der chronischen Nierenkrankheit: Bedarfsgerechte Unterstützung bei der Grundpflege, ggf. im Bett
- Mobilisation
- Ausmaß der Aktivität angepasst an den Allgemeinzustand
- Beachtung belastungsabhängiger Symptome wie Dyspnoe bei dekompensierter chronischer Nierenkrankheit und/oder Anämie
- Bei ausgeprägter Osteoporose: Vorsichtige Positionierung und Mobilisation!
Prophylaxen
- Bedarfsgerecht, insb.
- Dekubitusprophylaxe: Bei reduzierter Mobilität
- Pneumonieprophylaxe: Bei reduzierter Mobilität und insb. bei Lungenödem
- Ulzerationsprophylaxe: Ggf. elastische Wickelung der Beine mit Kurzzugbinden (Pütter-Verband®) nach ärztlicher Anordnung , (siehe auch: AMBOSS-Pflegewissen: Kompressionstherapie)
- Sturzprophylaxe: Bei erhöhtem Sturzrisiko, bspw. aufgrund eines Blasenkatheters
- Thromboseprophylaxe und Obstipationsprophylaxe: Bei reduzierter Mobilität und/oder Diuretikatherapie
Ernährung
- Kaliumarme Ernährung empfohlen
- Natriumarme Ernährung nur bei Ödemen und/oder Hypertonie erforderlich
- Ggf. Eiweißgehalt der Ernährung anpassen
- Trinkmengenbeschränkung: Nur nach ärztlicher Anordnung
- I.d.R. ausgeglichene Flüssigkeitszufuhr (etwa 2 L/Tag) zur Vermeidung einer Exsikkose oder Ödemen
- Patient:innen hinsichtlich Trinkmengenbeschränkung und deren Notwendigkeit beraten
- Tipps zum Umgang mit Trinkmengenbeschränkung
- Flüssigkeitsmenge über den Tag verteilen
- Getränke aus kleinen Gläsern trinken
- In kleinen Schlücken trinken, Flüssigkeit länger im Mund behalten
- Sehr zuckerhaltige, salzhaltige und scharfe Speisen meiden
- Zuckerfreie Bonbons lutschen
- Trockene Raumluft vermeiden
Beratung
- Anleitung der Patient:innen zur Selbstbeobachtung
- Tägliches Wiegen, um Flüssigkeitseinlagerungen zu erkennen
- Regelmäßige Blutdruckmessung
- Ödeme unter den Augen oder an den Unterschenkeln
- Eingeschränkte körperliche Belastbarkeit und/oder Dyspnoe
- Symptome einer Hyperkaliämie
- Ggf. Ernährungsberatung empfehlen
- Beratung über Vorteile körperlicher Bewegung
- Schmerzmitteleinnahme (auch von rezeptfreien Schmerzmitteln) nur nach ärztlicher Rücksprache
- Psychische Unterstützung, insb. auf Ängste hinsichtlich einer drohenden Dialysepflichtigkeit eingehen
AMBOSS-Pflegewissen: Dialysepflichtigkeit
Pflege von Patient:innen mit Dialyse-Shunt
Ein funktionierender Shunt ist Voraussetzung für die lebenswichtige Dialyse, seine sorgfältige Pflege daher sehr wichtig. Für Grundlagen zum Dialyse-Shunt siehe: Cimino-Shunt.
- Um einen durchgehenden Blutfluss im Shunt zu gewährleisten: Am Shuntarm keine
- Blutdruckmessung
- Druckverbände
- Abschnürende Kleidung tragen
- Zur Infektionsprophylaxe: Am Shuntarm keine
- Blutabnahmen
- i.v. Zugänge
- Injektionen
- Tätigkeiten mit Verletzungsgefahr der Haut (bspw. Gartenarbeit)
- Hautpflege am Shuntarm
- Tägliche Kontrolle des Shunts: Durch ärztliches Personal, Pflegepersonal oder ggf. die Patient:innen selbst, auf
- Beratung
- Patient:innen sollen nicht schwer heben und Sportarten mit Verletzungsrisiko des Arms vermeiden
- Patient:innen aufklären, sich bei Veränderungen (bspw. Infektionszeichen) am Shunt sofort bei einem Arzt/einer Ärztin vorzustellen
- Ist eine Shuntanlage geplant oder absehbar: Keine Blutabnahme aus den Venen der Unterarme zur Schonung der potenziellen Shuntgefäße
Dialyse
Die Dialyse wird in ambulanten Dialysepraxen oder in speziellen Bereichen eines Krankenhauses von hierfür ausgebildetem Personal durchgeführt. Zwischen den Dialysen werden stationäre Patient:innen i.d.R. auf den peripheren Stationen betreut. Ein Sonderfall ist die Dialyse auf der Intensivstation, die vor Ort durchgeführt wird. Die hier genannten Informationen beziehen sich auf dialysepflichtige Patient:innen, die auf peripheren Stationen oder ambulant betreut werden.
- Kreislauf
- Hypotonie, insb. nach der Dialyse
- Hypertonie, insb. kurz vor der Dialyse
- Herzrhythmusstörungen aufgrund einer Störung des Kaliumhaushalts möglich
- Bewusstsein
- Hygiene
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Strenges Einhalten aller Hygienemaßnahmen bei Kontakt mit Patient:innen
- Beratung der Patient:innen zum Verhalten im Alltag, um Infektionen zu vermeiden
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Blutungsneigung
- Erhöhte Blutungsneigung
- Beobachtung auf Zeichen einer Blutung, insb. Nachblutungen am Shunt nach der Dialyse
- Siehe auch: AMBOSS-Pflegewissen: Pflege und Beratung bei Blutungsneigung
- Allergische Reaktion
- Im Rahmen der Dialyse allergische Reaktion auf Materialien des Dialysesystems möglich
- Siehe auch: Charakteristische Symptome bei Anaphylaxie
- Psychische Belastung
- Starke Einschränkung der Lebensqualität durch hohen Zeitaufwand
- Hohe Belastung des (engen) Umfelds der Patient:innen
- Trinkmengenbeschränkung und Umstellung der Ernährung werden häufig als belastend empfunden
- Selbsthilfegruppen empfehlen
- Ggf. zusätzliche Belastung durch Warten auf eine Spenderniere (siehe auch: Nierentransplantation)
- Beratung
- In Gesprächen auf die psychische Belastung eingehen
- Angehörige anleiten, auf Symptome wie Bewusstseinsveränderungen zu achten
- Urlaubsplanung
- Urlaub sollte nur in Ländern mit einem guten Gesundheitssystem geplant werden
- Viele Praxen und Dialysezentren bieten Feriendialysen an
- Ein aktueller Entlassungsbrief oder ein gleichwertiges Schreiben sollte immer mitgeführt werden
- Bei von Patient:innen selbstständig durchgeführter Dialyse muss der Transport des Materials eingeplant werden
- Urlaub nicht in die heißen Jahreszeiten des Reiselandes legen
Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026
- N18.-: Chronische Nierenkrankheit
- Inklusive
- N18.1: Chronische Nierenkrankheit, Stadium 1
- Glomeruläre Filtrationsrate 90 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche oder höher
- N18.2: Chronische Nierenkrankheit, Stadium 2
- Glomeruläre Filtrationsrate 60 bis unter 90 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche
- N18.3: Chronische Nierenkrankheit, Stadium 3
- Glomeruläre Filtrationsrate 30 bis unter 60 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche
- N18.4: Chronische Nierenkrankheit, Stadium 4
- Glomeruläre Filtrationsrate 15 bis unter 30 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche
- Präterminale Niereninsuffizienz
- N18.5: Chronische Nierenkrankheit, Stadium 5
- Dialysepflichtige chronische Niereninsuffizienz
- Glomeruläre Filtrationsrate unter 15 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche
- Terminale Niereninsuffizienz
- N18.8-: Sonstige chronische Nierenkrankheit
- N18.80: Einseitige chronische Nierenfunktionsstörung
- Der relative Funktionsanteil der betroffenen Niere liegt unter 35 %.
- N18.89: Sonstige chronische Nierenkrankheit, Stadium nicht näher bezeichnet
- N18.80: Einseitige chronische Nierenfunktionsstörung
- N18.9: Chronische Nierenkrankheit, nicht näher bezeichnet
- Chronische Urämie, nicht näher bezeichnet
- Diffuse sklerosierende Glomerulonephritis, nicht näher bezeichnet
Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.